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"Du bist, was du isst" - Was unsere Essgewohnheiten über uns sagen


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© KatarzynaBialasiewicz, istockphoto.com


„Du bist, was du isst“: Das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Schon im vorletzten Jahrhundert hat sie der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) formuliert. Systematischer widmete sich zu zu dieser Zeit der französische Gastrosoph Jean Anthèlme Brillat-Savarin. In seiner 1826 erschienenen „Physiologie des Geschmacks“, an der er 25 Jahre gearbeitet hatte, untersuchte er die kulturwissenschaftlichen Zusammenhänge von Gesellschaft und Ernährung. „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist“, lautete eines seiner Bonmots. Viele seiner Beobachtungen sind heute veraltet: So schloss er zum Beispiel von der Truthahnfüllung – Kastanien oder Trüffeln – auf die Klassenzugehörigkeit und entwarf Feinschmeckertypologien auf der Grundlage von Speisen, die mittlerweile kaum mehr Verwendung finden. Doch wie Feuerbach wusste er bereits: Unser Umgang mit dem Essen verrät eine Menge über uns selbst. Doch wie fällt unsere Bilanz heute aus?


Hauptsache schnell


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Heute, so scheint es, haben die meisten von uns diese simple Aussage vergessen oder zumindest verdrängt. Denn wendet man das Prinzip auf unsere Ernährungsgewohnheiten an, ergibt sich in vielen Fällen ein desaströses Bild. Oft nehmen wir Essen nämlich nur noch im Vorübergehen wahr: Nicht umsonst gibt es ein Vielzahl von Gerichten und Getränken „to go“. Dabei sind Gerichte, die man im Gehen einnehmen kann, nur ein Teil des sogenannten Convenience Foods, das von Tütensuppen bis zu Tiefkühl-Wok-Gerichten alle Bereiche von vorgefertigtem Essen umfasst. Wenig überraschend kann dieser Teil der Lebensmittelindustrie sich seit Jahrzehnten über steigende Absatzahlen freuen – ermöglicht er doch eine nahezu umgehende Befriedigung unseres Hungergefühls. „Hauptsache schnell!“ ist die Maxime dahinter. Zeit haben wir schließlich nicht, deswegen machen wir uns nicht die Mühe, über unser Essen nachzudenken.



Hauptsache billig


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© Juanmonino, istockphoto.com


Es ist uns egal, dass wir unseren Körper überfordern, wenn wir jede Menge E-Stoffe, unnötiges Fett oder Schweinefleisch aus Massenbetrieben zu uns nehmen. Solange wir unser Essen schnell bekommen und, das ist auch noch wichtig: billig.

Wer billig kauft, spart sich besser das genaue Hinsehen. Er blendet zum Beispiel aus, was sein Konsumverhalten für die Menschen bedeutet, die diese Nahrungsmittel anbauen, weiterverarbeiten oder verkaufen. Auch wenn er ahnt, dass der Preisdruck von Billigessen oft ungebremst an die Erzeuger weitergegeben wird: Er entscheidet sich gegen das Nachdenken.



Schluss mit Schlingen!


Mit Wertschätzung hat das nichts mehr zu tun. Auch gegenüber sich selbst. Schließlich ist, wer sich um sein Essen keine Gedanken macht, in der Regel auch sorglos mit seinem eigenen Geist und Körper. Er geht wenig achtsam und rücksichtslos mit ihnen um. Für die Buddhisten ist deshalb bewusste Ernährung Teil ihres Weltbilds: Ohne sie und die Dankbarkeit gegenüber dem, was man isst, ist die Menschenbildung nicht möglich. In diesem Sinne würden wir die Welt einfach durch die Wahl der Nahrung verbessern.

Doch leider ist gedankenloser Umgang mit dem Essen kein Einzelfall, sondern typisch für unsere Gesellschaft. Wir finden: Das Schlingen muss aufhören! Es ist höchste Zeit, sich wieder mehr Gedanken zu machen. Über unser Essen, über unseren Umgang damit und letztlich auch über uns selbst. Nur so ist es möglich, wieder zu einem Kreislauf der Wertschätzung zu finden, sodass unser Essen irgendwann wieder ein positives Bild von uns zeichnet.



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